Egal ob Exploitation, Gialli, Horror oder Sci-Fi...
Von Grindhouse bis Arthouse...
Besprechungen übersehener, unterbewerteter oder obskurer Werke der Filmgeschichte!

Samstag, 30. August 2014

Der schüchterne Drache

O drakos bzw. Ο Δράκος (Der Unhold von Athen)
GR 1956
R.: Nikos Koundouros


Worum geht's?: Der schüchterne Bankangestellte Thomas (Dinos Iliopoulos) gleicht nach einem Zeitungsfoto dem gesuchten Schwerkriminellen "Der Drache" aufs Haar. Da wundert es weniger, dass er in der Neujahrsnacht in einer Bar auf eine Bande Krimineller trifft, welche ihn auf der Stelle zu ihrem Anführer machen. Zwar gefällt dem zurückhaltenden Thomas der Plan, eine zerlegte Säule aus einem alten Tempel an einen reichen Amerikaner zu verhökern, gar nicht, doch gefällt ihm dafür seine unverhoffte Reputation in der Unterwelt und sein plötzlich gewonnener Schlag bei Frauen. "Besser der Drache als ein Niemand", wird bald zu seinem Credo, welches letztendlich zu seinem Untergang führt.


Wie fand ich's?: Schon wieder eine Groteske!
Fast jeder Film, den ich in letzter Zeit aus Griechenland gesehen habe, enthielt deutlich groteske Elemente, egal ob der von mir wenig geliebte Singapore sling: O anthropos pou agapise ena ptoma (GR 1990 R.: Nikos Nikolaidis), das Meisterwerk Kynodontas (GR 2009 R.: Giorgos Lanthimos dt.: Dogtooth) oder dessen Nachfolger Alpeis (GR/F/CAN/USA 2011 R.: Giorgos Lanthimos dt.: Alpen), alle diese Filme tragen deutlich groteske Züge oder können gleich als Farce betrachtet werden - Filmkritiker erschufen nicht umsonst in den letzten Jahren den Begriff der Greek Weird Wave.
Tatsächlich scheint der hier besprochene O drakos, ein Film, der mir in einer Liste der 10 vermeintlich besten griechischen Kinowerke bis dato auffiel, und der dort als später Versuch eines Film Noir bezeichnet wurde, diesen Trend bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert kurz vorweggenommen zu haben.
Fängt die Geschichte um den unscheinbaren Banker noch sehr im Stil eines Film Noir an und erinnert eine Szene, in der Thomas auf einen Bahnhofswächter trifft, gar an das Frühwerk eines Fritz Lang, so begibt man sich spätestens dann in groteske Gefilde, wenn unser Held in einer Bar auf einen überagierenden, Augen rollenden, tanzenden Gangster trifft, der auf die eintretenden Cops reagiert, welche wie eine Mischung aus den Blues Brothers und Schulze und Schulze aus den Tim und Struppi Comics erscheinen. Auch der glorreiche Plan eine Marmorsäule scheibchenweise, heimlich außer Landes zu bringen, unterstreicht den absurden Ton der Geschichte, welche sich dann im überaus gelungenen Finale noch zur Tragödie mausert.
Leider nehmen zu viele Tanz- und Gesangsszenen dauernd das Tempo aus dem Film, sodass er in der Mitte doch teilweise merkliche Längen aufweist und mitunter schlecht gealtert wirkt.
Was bleibt, ist ein sonderbarer, leiser Mix aus Drama, Krimi und Tragikkomödie, der recht eigenständig, wenn auch nicht in Gänze gelungen, daherkommt.


Fazit: Ein interessanter Beitrag zur Schwarzen Serie aus dem Land der Hellenen, der jedoch etwas hinter seinem Ruf zurückbleibt.


Punktewertung: 7 von 10 Punkten

The Ogre of Athens (1956) on IMDb

Samstag, 23. August 2014

Märtyrer der Gewalt

Tian zhu ding bzw. 天注定 (A Touch of Sin) 
CHN/J/F 2013
R.: Jia Zhangke


Worum geht's?: Vier Episoden aus dem zeitgenössischen China:
Der gestandene Arbeiter Dahai (Wu Jiang) nimmt Rache an den Leuten, die sein Dorf und seine Arbeitsstätte ausbluten.
Ein Wanderarbeiter (Baoqiang Wang) verheimlicht seiner Familie die wahre, schreckliche Herkunft des Geldes, das er nach Hause bringt.
Eine Saunaangestellte (Tao Zhao) erwehrt sich den Nachstellungen reicher Kunden.
Ein junger Mann (Lanshan Luo) verzweifelt am Versuch sich und seine Mutter zu ernähren.


Wie fand ich's?: Schon der Beginn verheißt nichts Angenehmes. Ein Motorradfahrer wird auf staubiger Landstraße von drei bewaffneten Gestalten angehalten. Doch anstelle, dass ihm von den Straßenräubern sein Geld abgenommen wird, schießt er routiniert und gezielt alle drei nieder und nimmt ungerührt seine Reise weiter auf.
Das in diesem Film anhand von vier Geschichten abgebildete China ist vielleicht tatsächlich die hierzulande so oft beschriene dominante Wirtschaftsmacht von morgen, doch in erster Linie ein Hort von Gewalt, Dekadenz und sozialer Ungerechtigkeit und jede, der auf einer wahren Begebenheit basierenden Episoden, zeigt eine Person, die durch die neuen Strukturen des Haifischkapitalismus über den Rand der Vernunft gedrückt wird.
Bezieht sich der Titel des Films direkt auf King Hus Meisterwerk Xia nü (TWN 1971 dt.: Ein Hauch von Zen) sind es hier nicht die glorreichen (Märchen-)Helden des Wuxia, die den Film bestimmen, sondern realistische, tragische Gestalten, die nur durch eine zynische, abgeklärte Weltsicht ritterlich erscheinen dürften. All diese Figuren kämpfen auf ihre ganz eigene, moralisch falsche bzw. wie der Titel andeutet sündhafte Weise gegen das inhumane System, dessen einziger Gott der schnöde Mammon ist.
Die Wirkung des Films auf ein europäisches Publikum mag sich schon allein aufgrund der Tatsache unterscheiden, dass dieses, anders als ein asiatisches, kaum von den hier aufgezeigten wahren Begebenheiten weiß. So schlugen sowohl die sogenannten Foxconn-Selbstmorde (eine auffällige Zahl von Angestellten eines Elektrokonzerns nahmen sich 2010 das Leben) oder die Festnahme der mancherorts zur Nationalheldin erkorenen Deng Yujiao, auf deren Taten die dritte Episode beruht, hierzulande kaum mit solcher Wucht in den Medien ein, wie dies in Asien auch die blutigen Raubmorde des Zhou Kehua taten.
Jia Zhangkes (Haus-)Kameramann Nelson Yu Lik-wai, der mit dem Regisseur auch an dessen großen Erfolgen Shijie (CHN/J/F 2004) und Sanxia haoren (CHN/HK 2006 dt.: Still Life) mitgearbeitet hatte, kleidet diesen Reigen der Gewalt in teilweise äußerst beeindruckende Bilder, die dem inhaltlichen Realismus der Erzählungen eine zusätzliche kunstvolle, visuelle Ebene verleihen. 
Leider gibt es aber auch einige Kleinigkeiten an diesem eindrucksvollen Werk zu bemängeln, wobei besonders die Laufzeit bzw. die Reihenfolge der einzelnen Episoden mir etwas negativ auffiel. So ist die letzte, zu diesem Zeitpunkt vielleicht bereits langatmig erscheinende Geschichte m. E. nach am falschen Platz im Film untergebracht, da dieses menschliche Schicksal mehr Konzentration vom Zuschauer verlangt, als es z. B. die zweite Episode tut. Somit wäre dieses ganze Segment besser zu einem früheren Zeitpunkt im Film aufgehoben gewesen.
Die deutsche DVD-Veröffentlichung vom Kölner Rapid Eye Movies Label kommt in gewohnt hochwertiger (Bild-)Qualität daher, wenngleich man aber bis auf einen Trailer und einem (nur der Erstauflage beiliegenden) Booklet leider jegliche weiteren Extras missen muss.


Fazit: Ein wichtiger Kommentar zur Lage seiner Nation, eine finstere Lektion in Sachen Armut und der von ihr erzeugten Gegengewalt.



Punktbewertung: 8,25 von 10 Punkten

A Touch of Sin (2013) on IMDb

Mittwoch, 20. August 2014

The Twilight Blog #10 - Treffer, versenkt!

The Twilight Zone - Staffel 1, Episode 10
Judgment Night (dt.: Das Geisterschiff)
B.: Rod Serling
R.: John Brahm
US-Erstausstrahlung: 04. Dezember 1959 (BRD: ?)


Die Story: Der Zweite Weltkrieg. Ein britisches Passagierschiff bahnt sich seinen Weg durch die neblige Nacht.
An Bord auch eine nervöse Person (Nehemiah Persoff), der die von deutschen U-Booten verseuchten Gewässer unheimlich bekannt vorkommen - doch dessen Warnungen niemand hören will. Stattdessen wundert sich die Mannschaft, wer dieser verwirrte Mann mit ausländischem Akzent nur ist, und woher er die detaillierte Kenntnisse über die unter dem Wasser lauernde Bedrohung besitzt.


Das Zwielicht durchbrochen: Nach einem kurzen Intermezzo Charles Beaumonts kehrte Rod Serling als Drehbuchautor zurück und jagte eine Geschichte von Schuld, Vergeltung und Kriegsverbrechen durch die heimischen Kathodenstrahlröhren.
Judgment Night sollte als erste Episode ein Setting zu Kriegszeiten aufweisen, und es sollte nur neun Folgen dauern bis The Purple Testament (ebenfalls von Serling) uns erneut die Schrecken des Krieges vor Augen hielt.
Regie führte hier erstmals der deutschstämmige John Brahm (die bereits zuvor ausgestrahlte Kultepisode Time Enough at Last wurde etwas später produziert) und die Hauptrolle übernahm der in Jerusalem geborene Nehemiah Persoff, ein bis zur Jahrtausendwende viel beschäftigter Fernsehdarsteller. Persoffs (*1919; andere Quellen: 1920) bekannteste Kinofilmrolle mag die des Little Bonaparte in Wilders Meisterwerk Some Like It Hot (USA 1959 dt.: Manche mögen's heiß) sein, sein Wikipediaeintrag gibt sogar an, er sei die einzige heute noch lebende Person unter den im Abspann erwähnten Darstellern.
Hierzulande bekannter als Persoff, dürfte der durch seine Rolle des John Steed in der britischen Kultserie The Avengers (GB 1961-1969 dt.: Mit Schirm, Charme und Melone) auch in Deutschland zu enormer (mittlerweile allerdings wohl wieder verblasster) Popularität gelangte Patrick Macnee sein, der in einer Nebenrolle als Crewmitglied McLeod nur wenig Talent zeigen darf.
Inhaltlich erinnert diese überdurchschnittliche Folge ein wenig an die antifaschistischen Propagandafilme der USA, nur dass hier natürlich die obligatorischen Mysteryelemente der Twilight Zone und Serlings Moralempfinden zusätzlich in den Mix gelangten.


Episodenbewertung: ****/5

Judgment Night (1959) on IMDb

Montag, 18. August 2014

The Twilight Blog #9 - Vorsicht: Traumfrau!

The Twilight Zone - Staffel 1, Episode 9
Perchance to Dream (dt.: Die Macht der Träume)
B.: Charles Beaumont
R.: Robert Florey
US-Erstaustrahlung: 27. November 1959 (BRD: 27.11.1991 - also exakt 32 Jahre später...)


Die Story: Edward Hall (Richard Conte) hat nicht nur ein schwaches Herz, sondern auch prekäre Träume. So erzählt er dem Psychiater Dr. Rathman (John Larch), dass er in seinen Träumen seit einiger Zeit von einer animalischen Schönheit (Suzanne Lloyd) verfolgt wird und Hall davon ausgeht, dass sein nächstes Entschlafen endgültig sein könnte...


Das Zwielicht durchbrochen: Dies ist die erste Folge, deren Drehbuch nicht von Rod Serling verfasst wurde, und es fällt dem geneigten Zuschauer vermutlich zunächst nicht einmal auf.
Perchance to Dream basiert auf der exzellenten Idee die Hauptfigur den eigenen und natürlich irgendwann unumgänglichen Schlaf fürchten zu lassen; eine Idee die auch das über Jahrzehnte erfolgreich Nightmare on Elm Street Franchise verwendet, wenngleich Wes Craven angab, nicht von Charles Beaumonts Story beeinflusst worden zu sein.
Eben jener Charles Beaumont (*1929; †1967) sollte nach dieser Episode nicht nur mehr als ein Dutzend weitere Storys für The Twilight Zone abliefern, darunter auch einer der Höhepunkte der zweiten Staffel mit dem schönen Titel The Howling Man, weiterhin war er zu dieser Zeit auch maßgeblich an Drehbüchern zu Filmklassikern wie 7 Faces of Dr. Lao (USA 1964 R.: George Pal dt.: Der mysteriöse Dr. Lao) oder dem hier bereits zuvor besprochenen Night of the Eagle beteiligt, um nur zwei zu nennen.
Beaumont verstarb leider früh (mit nur 38) an einer "seltsamen Hirnerkrankung", hat aber in seinen wenigen Lebensjahren ein recht eindrucksvolles Gesamtwerk hinterlassen. Dazu gehört auch das Script zur hier besprochenen neunten Folge der Twilight Zone, welches auf einer gleich betitelten Kurzgeschichte Beaumonts basiert, die 1958 im Playboy abgedruckt worden war.
Richard Conte brilliert als nervliches Wrack, das sich von einer wahrlich animalischen Suzanne Lloyd in seinen Träumen gestalked sieht. Regie führte routiniert Robert Florey (*1900; †1979), der im zarten Alter von 29 Jahren den allerersten Film der Marx Brothers, The Cocoanuts (USA 1929 R.: Florey/Joseph Santley), aus der Taufe gehoben hatte.
Insgesamt ist diese Folge also ein erfolgreiches, erstes Zeichen dafür, dass The Twilight Zone nicht notwendigerweise die schreiberischen Talente Rod Serlings benötigte. Ob man Beaumonts Geschichte als Flucht eines Mannes vor seiner eigenen Sexualität oder Suzanne Lloyds Figur als Succubus ansieht: Perchance to Dream trifft sein Publikum mit traumwandlerischer Leichtigkeit.


Episodenbewertung: ****/5

Perchance to Dream (1959) on IMDb

Montag, 11. August 2014

Ein infantiler Mitternachtssnack

Midnight Madness (Wahnsinnsjagd um Mitternacht)
USA 1980
R.: Michael Nankin/David Wechter


Worum geht's?: Leon (Alan Solomon), ein scheinbar gleichermaßen verspieltes wie kreatives, leptosomes Genie, hat sich für seine Mitschüler am College etwas ganz großes einfallen lassen: The Great All-Nighter!
Diese eine ganz Nacht andauernde Schnitzeljagd soll fünf Teams durch ganz L.A. führen, wo sie an verschiedenen Orten nach verschlüsselten Hinweisen suchen müssen.
Adam (David Naughton) führt das sympathische gelbe Team an, welches sich gegen ein Team aus nervösen "Nerds" (deren Anführer: Eddie Deezen), einer Gruppe "Jocks", dem ständig mogelnden blauen Team unter der Leitung des arroganten Snobs Harold (Stephen Furst) und dem rein weiblichen roten Team behaupten muss.
Die Jagd führt die verrückten Typen von einem Observatorium zu einem Klaviermuseum, von einer betriebsamen Großbrauerei über ein klassisches Diner zu einem Minigolfplatz im Dunkel.
Und da hat die Nacht erst gerade begonnen!


Wie fand ich's?: Manchmal stoße ich auf Filme, die bereits in den ersten Minuten mein Herz gewinnen.
Midnight Madness mag objektiv betrachtet für manche vielleicht lediglich ein etwas schlecht gealtertes Relikt der beginnenden 80er Jahre sein, vollgestopft mit biederer Americana, doch ich hatte recht unvermutet eine wunderbare Filmerfahrung gemacht.
Hätte ich diesen Film zur Zeit seiner Erstauswertung gesehen, wäre er mir vermutlich nicht sonderlich aufgefallen, dazu kommt er eigentlich viel zu normal daher. Midnight Madness erfüllt alle Klischees einer College-Komödie ohne bereits in die frivoleren Gefilde der sogenannten Gross-Out Filme zu gelangen, die in den USA mit Bob Clarks Porky's (USA 1982) zwei Jahre nach Midnight Madness an den Kinokassen hoch erfolgreich waren und ihr Setting ebenfalls im Hochschulmilieu fanden. Stattdessen gilt es wieder am ewigen Kampf zwischen Jocks und Nerds teilzuhaben, was ein ebenso häufiges Motiv in dieser Art von Film darstellt, bei dem die schwächlichen Eierköpfe oft genauso schlecht wegkommen, wie die aggressiven, unterbelichteten Sportskanonen.
Midnight Madness darf sich rühmen nach The Black Hole (USA 1979 R.: Gary Nelson dt.: Das schwarze Loch) der zweite Film aus dem Hause Disney gewesen zu sein, der ein PG-Rating bekommen hatte - soll heißen: Eltern wurde empfohlen ihre unter zwölf Jahre alten Kinder ins Kino zu begleiten, um hier ihnen an bestimmten, freimütigen Szenen ggf. Augen und/oder Ohren zuhalten zu können. Diese Einstufung dürfte ein heutiges, abgeklärtes Publikum etwas verwundern, wird doch in lediglich einer Szene angedeutet, dass ein Minderjähriger einer jungen Damen beim Entkleiden zusieht (ohne allerdings tatsächlich die Nackte zu zeigen) und fällt in einer anderen Szene ein dumpfer Jock ins Bierbecken der Pabst Brauerei, aus dem er wenig später voll aber glücklich von seinen Kumpanen gerettet wird.
Noch viel erstaunlicher ist, dass zudem die Biersorte Pabst Blue Ribbon im Film mehrfach explizit genannt wird und wir es hier ganz klar mit einem ersten Fall von deutlichem Product Placement in einem Disneyfilm zu tun haben, der somit vielleicht tatsächlich (wie auch ein Jahr zuvor The Black Hole) auf ein etwas älteres Publikum abzielen sollte.
Wer nun jedoch nach erwachsenen Inhalten suchen will, kann dies direkt vergessen. Midnight Madness ist pure (wenn natürlich auch sehr gesittete - Disney, remember?) 80er Lebensfreude, in der nebenher ein sehr junger Michael J. Fox sein Leinwanddebüt haben durfte. Dass ausgerechnet der in diesem Film als fast einziger etwas blass und langweilig aufspielende Fox später die größte Karriere aller Darsteller des Streifens hinlegen sollte, ist hier noch kaum abzusehen.
Der Charme von Midnight Madness mag sich vielen jüngeren Lesern nicht erschließen, entsprießt er bei mir persönlich doch aus einem Keim der Nostalgie und dem Gefühl, dass ein solcher Film heute nicht mehr möglich wäre, ohne sich wirklich plattester Zoten zu bedienen.
Andere hat dieser Film dazu verleitet der Idee des Films eine reale Entsprechung zu geben, und so fanden zumindest in den USA mehrfach nächtliche Schnitzeljagden nach dem Vorbild des Films statt. Leons Erbe lebt!


Fazit: Für einen nostalgischen Sonntagvormittag bestens geeignet. Eine verrückte Reise durch eine seit mehr als dreißig Jahren vergangene Nacht - let's take a trip down memory lane...



Punktewertung: 8,25 von 10 Punkten

Midnight Madness (1980) on IMDb

Samstag, 9. August 2014

The Twilight Blog #8 - Wenn geschliffenes Glas bricht...

The Twilight Zone - Staffel 1, Episode 8
Time Enough at Last (dt.: Alle Zeit der Welt)
B.: Rod Serling, basierend auf einer Kurzgeschichte von Lyn(n) Venable
R.: John Brahm
US-Erstausstrahlung: 20. November 1959 (BRD: 20.11.1991)


Die Story: Henry Bemis (Burgess Meredith) ist ein scheuer Bücherwurm, der selbst an seiner Arbeitsstelle, einem Bankschalter, nur für Sekunden den Blick von den Seiten seiner Bücher nehmen kann. Gerade im Tresorraum in einem Dickens vertieft wird er unversehens der vielleicht letzte Mensch auf Erden, und während die Welt um ihn herum schon zerbrochen ist, zerbricht die Seine, als zerbricht, was nun nicht mehr zu ersetzen scheint.


Das Zwielicht durchbrochen: Dies ist vermutlich eine der international populärsten Folgen der Twilight Zone, welche es regelmäßig gleichermaßen in die Bestenlisten von Fans und Kritikern schafft. Das mag zum einen an der einprägsamen, simplen Pointe der Geschichte liegen, zum anderen liefert Hauptdarsteller Burgess Meredith eine eindrucksvolle Darbietung als ebenso liebenswerter wie verschrobener Büchernarr ab, der sich ständig beim Lesen den Ablenkungen des Alltags erwähren muss, die täglich in den Formen von Chef, Kunden und Ehefrau daherkommen.
Serlings Drehbuch basiert hier zum ersten Mal nicht auf einer eigenen Idee, sondern auf der sehr kurzen Short Story gleichen Titels aus der Feder einer Literatin namens Marylin Venable, deren (androgyner) Künstlername Lynn mal mit einem, mal mit zwei "n" geschrieben wird. Venable behauptet in einem Interview mit den San Jose Mercury News aus dem Jahr 2012, dass Serling ihre Geschichte Ende der 50er Jahre für $500 kaufte, sie aber nie Serling persönlich traf oder gar irgendwelche spätere Tantiemen für ihr berühmtes Werk erhalten hat. Ihre wenigen weiteren Geschichten sind mehr oder minder dem völligen Vergessen anheimgefallen und die sich selber als hemmungslose Leserin bezeichnende Venable freut sich im Rückblick allein über die Tatsache, dass Serling ihre Story absolut getreu adaptierte.
Regie führte John Brahm (*1893; †1982), ein bereits zu Zeiten des Film Noir viel beschäftigter, deutscher Immigrant, dessen Vornamen eigentlich Hans und Julius waren und der 1933 zusammen mit seiner Gattin vor den Nazis über Frankreich und England schließlich ins vermeintliche Land der unbegrenzten Möglichkeiten geflüchtet war. Brahm sollte in den 50er und 60er Jahren praktisch unablässig fürs US-TV arbeiten und so auch genau bei einem Dutzend Folgen von The Twilight Zone den Regiestuhl besetzen.
Ich für meinen Teil, weiß Time Enough at Last als Fan der Serie natürlich durchaus zu schätzen, doch möchte ich nur vier von fünf möglichen Punkten vergeben, da ich dieser Episode aufgrund ihrer Einfachheit über die Zeit hinweg doch etwas überdrüssig geworden bin. Darum meine eher verhaltene Wertung - Neulingen der Serie möchte ich diesen legendären Klassiker aber trotzdem ans Herz legen.


Episodenwertung: ****/5

Time Enough at Last (1959) on IMDb

The Twilight Blog #7 - Frust und Lust im Asteoritenknast

The Twilight Zone - Staffel 1, Episode 7
The Lonely (dt.: Gefangen in der Einsamkeit)
B.: Rod Serling
R.: Jack Smight
US-Erstausstrahlung: 13. November 1959 (BRD: keine TV-Ausstrahlung)


Die Story: James A. Corry (Jack Warden) muss wohl für eine besonders schwere Untat büßen, hat man ihn doch gleich für ein halbes Jahrhundert allein auf einem Asteroiden ausgesetzt. Hin und wieder bringt ein Versorgungsraumschiff unter der Leitung des freundlichen Captain Allenby (John Dehner) dem Häftling das Nötigste und eines Tages sogar einen weiblichen Roboter (Jean Marsh), um Corry vor dem drohenden Wahnsinn zu bewahren. Was Allenby jedoch nicht ahnt: Die Illusion einer menschlichen Partnerin kann ganz neue Probleme aufwerfen!


Das Zwielicht durchbrochen: Vollkommen allein gelassen kann der Mensch schnell an seine geistigen Grenzen gelangen - zu dieser Erkenntnis kam bereits die allererste Episode der Twilight Zone mit dem bezeichnenden Titel Where Is Everybody?, und zu dieser Einsicht gelangt auch die hier besprochene siebte Folge der ersten Staffel. Tatsächlich wurde diese Episode direkt nach dem Pilotfilm abgedreht und wohl aufgrund der inhaltlichen Gleichheit erst einige Folgen später ausgestrahlt.
Leider muss ich aber sowohl The Lonely wie auch schon der Pilotfolge zuvor eine etwas unschöne Alterung bescheinigen. The Lonely wurde, was die Außenaufnahmen betrifft, strapaziös im Death-Valley-Nationalpark gedreht und die Mojavewüste soll auch diesmal ihren Gästen nichts geschenkt haben. Leider liegt hier aber auch einer der Schwachpunkte der Episode: Neben Sand und Steinen oder dem spartanischen Inneren von Corrys Wellblechhütte gibt es ausser den Darstellern keine weiteren Schauwerte, was umso mehr ins Gewicht fällt, ist die Story von The Lonely doch in Teilen noch um einiges vorhersehbarer als die von Where Is Everybody? und wirkt insgesamt ein wenig unspektakulär.
Trotzdem ist es schön Charakterkopf Jack Warden (*1920; †2006) jede Szene an sich reißen zu sehen, da hat auch die schöne Jean Marsh (die hier etwas Yvonne De Carlo ähnelt) nur wenige Chancen einmal glänzen zu können.
Erstaunlicherweise wurde diese Folge nie im deutschen Fernsehen ausgestrahlt, ein Schicksal, welches sie mit der gesamten vierten Staffel und einigen weiteren, späteren Episoden teilt.


Episodenbewertung: ***/5

The Lonely (1959) on IMDb

Montag, 4. August 2014

The Twilight Blog #6 - Alle Schlupflöcher gut verstopft...

The Twilight Zone - Staffel 1, Episode 6
Escape Clause (dt.: Die Rücktrittsklausel)
B.: Rod Serling
R.: Mitchell Leisen
US-Erstaustrahlung: 06. November 1959 (BRD: 09.02.1996)


Die Story: Der leidenschaftliche Hypochonder Walter (David Wayne) erbittet in einem Anflug von tiefer Larmoyanz bei seinem Schöpfer das Geschenk der Unsterblichkeit. Als ihm ausgerechnet der diabolische Herr Cadwallader (Thomas Gomez) einen teuflischen Vertrag anbietet, bedenkt Walter leider nicht alle Eventualitäten...


Das Zwielicht durchbrochen: Mit Folge Numero 6 gelangt endlich das Element der makabren Pointe in die Twilight Zone.
Wie in The Sixteen-Millimeter Shrine ist die Hauptperson nur wenig sympathisch und mit einem starken Hang zum Größenwahn gesegnet. Wo Ida Lupino jedoch noch Rückzug in ihre alten Filme nehmen konnte, bleibt Walter Bedeker nichts anderes übrig, als sein eigenes Ende zu akzeptieren. Sicher erscheint dieser Twist moralisch akzeptabel (wir reden hier immerhin von einem Deal mit dem Deibel persönlich - das kann ja gar nicht gut enden...), doch hatte man gerade nach dem sehr versöhnlichen Schluss der vorangegangen Episode Walking Distance wohl doch noch auf ein Happy End gehofft...
Pustekuchen! Serling benutzt das komödiantische Talent seines Hauptdarstellers David Wayne (*1914; †1995), der hierzulande einigen wohl lediglich aus The Andromeda Strain (USA 1971 R.: Robert Wise dt.: Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All) bekannt sein dürfte, um einerseits beim Zuschauer Sympathien für den von Wayne verkörperten Schuft zu wecken und so andererseits der zynischen Schlusspointe noch mehr Schlagkraft verleihen zu können.
Insgesamt ist Escape Clause somit ein erster, gelungener Vorstoß in die etwas garstigeren Gefilde der Twilight Zone, in die wir uns schon bald erneut in diesem Blog begeben werden.



Episodenbewertung: ****/5

Escape Clause (1959) on IMDb